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Zum Programm

Liebe SPIELART-Gäste,

 

„Everyone cares about something“, davon ist der in Angola geborene, heute in Gent und Lissabon lebende Künstler Nástio Mosquito überzeugt. Zahlreiche Künstler*innen der diesjährigen SPIELART-Ausgabe leiten strukturelle Analysen aus persönlichen Erfahrungen ab, indem sie diese in politische Kontexte überführen. Solche Erfahrungen können Krankheit (Stacy Hardy in Laila Solimans MUSEUM OF LUNGS) oder der Tod einer/s nahen Angehörigen sein. Sello Pesa findet einen ganz eigenen Umgang, die den südafrikanischen Alltag durchdringende Gewalt auf die Bühne zu bringen. Die Künstler*innen erzählen von Krieg, Flucht und Migration, aber auch vom Willen und den Kämpfen, als Frau ohne äußere oder verinnerlichte Unterdrückung zu leben. Was viele der Arbeiten eint, ist ein Unwohlsein gegenüber den neoliberalen westlichen Strukturen, die zumindest den hiesigen Alltag und die Kunst zunehmend im Griff haben sowie ein Wissen um die Verwobenheit der Welt.

 

Geografisch verfolgen wir den vor gut zwei Jahren eingeschlagenen Weg weiter. Stand beim letzten Mal Südafrika im Fokus, zeigen wir darüber hinaus nun Produktionen aus Mosambik, Nigeria, Namibia, Kenia, der Demokratischen Republik Kongo und Kamerun. Ein weiterer Programm-Schwerpunkt liegt auf dem Nahen Osten mit Arbeiten von Laila Soliman, Tania El Khoury, Farah Barqawi und Sama Waly.

 

Stärker als zuvor bewegt sich SPIELART dabei in die Stadt hinein, ist zu Gast in bewährten und sucht nach neuen Orten und den Menschen, die sich dort aufhalten: Vom Haus der Kunst, Museum Ägyptischer Kunst, Museum Fünf Kontinente, Lothringer13, Lothringer13_Florida über Münchner Kammerspiele und das Bellevue di Monaco bis zum Harry Klein und einem Boxclub. God’sEntertainments UNTER DEM TEPPICH, Nadia Beugrés LEGACY werden für München adaptiert oder mit Münchner*innen neu erarbeitet.

 

Nach unglaublichen 25 Jahren verlässt Tilmann Broszat, unser – das Wort muss an dieser Stelle erlaubt sein – verehrter Gründer nun SPIELART. Zu seinem Abschied kommen treue künstlerische Weggefährten, die schon seit den frühen Jahren dabei waren: Hinter dem Label HygieneHeute verbergen sich Stefan Kaegi und Bernd Ernst, seinerzeit noch Studenten der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Ihren Audiowalk KANAL KIRCHNER, der 2001 bei SPIELART Premiere hatte, haben wir jetzt noch einmal ins Programm genommen. Nicht fehlen dürfen natürlich ForcedEntertainment, die gleich drei Durationals bei freiem Eintritt zum Geschenk machen,  SPEAK BITTERNESS, 12 AM und zum Schluss AND ON THE THOUSANDTH NIGHT.

 

SPIELART 2019 endet aber keineswegs in Nostalgie. An den letzten beiden Tagen zeigen wir unter dem Titel NEW FREQUENCIES 16 Positionen jüngerer Künstler*innen, von Performances, Choreografien,  Videos, Lectures bis zum Bandkonzert mit Puppenspiel, von 15 Minuten bis (geplanten) 3 Stunden.

 

Eine thematische Vertiefung finden die Theaterproduktionen in einer sich durch das Festival ziehenden Gesprächsreihe. Dazu kommt ein Vermittlungs- und erstmalig ein Schulprogramm. Und natürlich gibt es wieder ein täglich geöffnetes Festivalzentrum um sich auszutauschen und zu feiern.

 

„Our visions begin with our desires“ sagt die Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde. Sehnsucht nach geistigem Reichtum und Komplexität. Nach Gemeinschaft(en). Nach Begegnungen, die verändern. Nach Innehalten und Sich-Vertiefen, Großzügigkeit und Respekt. Nach Vergnügen.

 

 

 

Für das SPIELART-Team

 

Sophie Becker

Künstlerische Leiterin