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ON THIN ICE

Ogutu Muraya (Nairobi)

29.10. 19:00 – 20:00

30.10. 19:00 – 20:00

HochX

Eintritt € 12,00 | Ermäßigt € 6,00

Künstler*innengespräch nach der Vorstellung am 30.10., moderiert von Jonathan Fischer

In englischer Sprache

  • Rollstuhlgerecht
  • Induktive Höranlage

Als Ogutu Muraya 2014 für sein Masterstudium von Nairobi nach Amsterdam zieht, beginnt er, Tagebuch zu führen. Was anfangs dazu dienen soll, seine Identität vor der unvertrauten Kulisse einer fremden Stadt zu kartografieren und lokalisieren, wächst über die Jahre hinweg zu einem komplexen persönlichen Archiv an. Der Aufenthalt in den Niederlanden ist für Muraya wunderschön, komplex und schmerzhaft zugleich, ein Amalgam paradoxer Erfahrungen. Zurück in Nairobi ist er nun dabei, aus seinem stetig wachsenden Tagebuch fragmentarische Memoiren zu formen, die ihm helfen sollen, die Herausforderungen seiner Erfahrung der Diaspora zu verstehen. ON THIN ICE ist eine performative Lesung eines Auszugs dieses fortlaufenden Buchprojekts.

Ogutu Muraya war bei SPIELART 2015 mit NOBODY KNOWS MY NAME und 2017 mit BECAUSE I ALWAYS FEEL LIKE RUNNING zu sehen.

 

Anstelle seiner selbst sendet Ogutu Muraya den in Brüssel lebenden Performer Quinsy Dario, um seinen Text zu lesen. Muraya, der in Nairobi lebt, entschied sich diesen Sommer, das Schengen-System zu verweigern. Mit diesem Statement beschreibt er, warum er nicht nach Europa reist.

 

Statement Ogutu Muraya

 

«Es ist nicht leicht, das zu sagen, ohne selbstgerecht oder moralisch überlegen zu wirken. Also bitte lassen Sie mich betonen, dass meine Entscheidung nicht aussagen soll, dass ich mich für einen besseren Menschen halte, oder ein schlechtes Licht auf all jene werfen möchte, die mutig genug sind, den Wirren des Visa-Ärgers zu trotzen. Ich muss sagen, dass es für mich schwierig und eine wirkliche Herausforderung geworden ist, mich zu überzeugen, den immer wiederkehrenden Prozess der Existenzrechtfertigung aufzunehmen, um eine zeitlich begrenzte Genehmigung von einem unbestreitbar diskriminierenden System zu erhalten – einem System, dessen Filter und Tendenzen unverhältnismäßig oft People of Color angreifen. Ich habe meine Aufenthaltsgenehmigung abgegeben und akzeptiert, dass ich vor dem Gesetz jetzt ein Fremder bin.

Das ist die Lage: der Kampf um gleichberechtigte Bewegungsfreiheit in dieser globalisierten Welt existiert und wird weiter andauern. Und ja, es gilt in internationalen Beziehungen das Konzept der Gegenseitigkeit – ich werde mich Ihren Bürger*innen gegenüber so verhalten wie Sie sich unseren Bürger*innen gegenüber verhalten – doch dieser Grundsatz ist ernsthaft beschädigt und trägt nicht dazu bei, die bestehende gewaltige Ungleichheit anzuprangern, sondern trägt eher zu deren Verschlimmerung bei. Und ja, der Einsatz für Freizügigkeit ist auf komplexe Art und Weise mit anderen Kämpfen um Gleichberechtigung verbunden, aber manche dieser emanzipatorischen Prozesse sind von größerer Dringlichkeit als die der Bewegungsfreiheit, besonders in Situationen, in denen auf direkte oder indirekte Weise Gewalt angewendet wird.

Mein Geist ist frei, doch mein Körper ist in dieser Zeit verhaftet – einer Zeit, in der die Gesellschaft das sinnlose Sterben von Menschen, die reale und abstrakte Grenzen zu überwinden suchen, akzeptiert – wie auch immer sie sich manifestieren mögen.»

#Lecture-Performance  #Geschichtenerzählen  #Migration und Flucht 

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Besetzung

Geschrieben von Ogutu Muraya Gelesen von Quinsy Gario

Biografie

Ogutu Muraya ist Schriftsteller und Theatermacher, dessen Arbeit in die Tradition der “Orature” - also des mündlichen Erzählens, eingebettet ist. Er studierte internationale Beziehungen an der USIU-Africa in Nairobi und machte später einen Master of Arts am DAS Theatre in Amsterdam. Seine performativen Storytelling-Arbeiten wurden in Theatern und auf Festivals in verschiedensten Ländern gezeigt.

 

Quinsy Gario ist ein Visual- und Performancekünstler, dessen Arbeitsschwerpunkt das dekoloniale Erinnern und Stören ist. Sein bekanntestes Werk, ZWARTE PIET IS RACISME (2011 – 2012) kritisiert das politische und gesellschaftliche Allgemeinwissen sowie die Praxis rund um die rassistische, holländische Figur von Zwarte Piet (Schwarzer Peter). Er studierte Gender Studies und Postcolonial Studies und ist Absolvent des Master Artistic Research Programme an der Royal Academy of Art, Den Haag. 2017 erhielt er die Mitgliedschaft der Organisation Humanity in Action, Detroit. Gario ist Vorstandsmitglied von De Appel, Keti Koti Table und The One Minutes sowie Mitglied des panafrikanischen Künstlerkollektivs State of L3 und wiederkehrender Teilnehmer bei der Black Europe Body Politics (Be.Bop).

Produktion und Realisierung

Mit Unterstützung des Veem House for Performance Realisierung in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut