DISKURS

FAVORIT LECTURES ZUM SPIELART FESTIVAL 2015

05.10.

Einlass ab 20.00 Uhr

Beginn 20.30 Uhr

Eintritt frei

 

Im Anschluss Musik

Favorit Bar

Julian Warner & Oliver Zahn

MINSTRELSY

Eine diskursive Tanzstunde

 

Die Minstrel Show, die im Fahrwasser der »Blackfacing-Debatte« immer wieder als historische Referenz auftaucht, ist eine Geburtsstätte moderner Popkultur. Hier tanzte und besang man im Zeichen von Sklaverei, Industrialisierung und Patriarchat die Widersprüche der Moderne. Bei ihrer Reise um die Welt wurde der Irish Jig zum afroamerikanischen Stereotypen und der Schuhplattler vum Volks zum Massentanz. Die Erben der Minstrel Show finden sich überall von der Deutschen Afrika Schau bis zu Miley Cyrus‘ Twerking-Performance bei den VMAs. Sie verhandelt Beziehungen von Körper, Macht und Authentizität; ihre Repräsentationen sind oftmals rassistisch, sexistisch und homophob – und verkünden gleichzeitig das Ende essentialistischer Volkskulturen und Identitäten. Ein Abend mit und über Tanz, Macht und das politische Potential der Popularisierung.

Biografie

Julian Warner
Jahrgang 1985. Studium der Theaterwissenschaft, Amerikanistik u Ethnologie an der LMU München. Künstlerische Forschung im Bereich Futurologie für das "Brand Fiction Space" Projekt der AUDI AG. Kuratierte Workshops, Performances u Stadtteilprojekte für das Lothringer13 Kunstareal der Stadt München sowie Vortragsreihen in der Favorit Bar. Arbeitet als Barkeeper und Türsteher.
Promoviert ab WS 2015/16 in der Kulturanthropologie an der GAU Göttingen über Blackface Theater Skandale und die Produktion Schwarzer Bürgerlichkeit.

Oliver Zahn
geboren 1989, studiert Regie an der Bayerischen Theaterakademie. Assistenzen und Hospitanzen bei Showcase Beat Le Mot, Dries Verhoeven, Deville Cohen, sowie zahlreiche Kurzperformances und szenische Recherchen im Rahmen des Studiums.Das Studienjahr 2013/2014 pausiert er, unter anderem um für das Spielart-Festival in München und das Festival Theater der Welt in Mannheim zu arbeiten.
Seine erste Arbeit seit der Wiederaufnahme des Studiums, SITUATION MIT AUSGESTRECKTEM ARM, wird momentan erfolgreich auf Nachwuchsfestivals im europäischen Raum gespielt. Im Herbst 2015 hat die Performance SITUATION MIT DOPPELGÄNGER (AT) am Ballhaus Ost in Berlin Premiere, mit der er sein Studium abschließen wird.
Die Arbeiten von Oliver Zahn, die unter der Bezeichnung Essayperformance stattfinden, verorten sich zwischen Konzepttanz, Lecture Performance und Diskurstheater.

12.10.

Einlass ab 20.00 Uhr

Beginn 20.30 Uhr

Eintritt frei

 

Im Anschluss Musik

Favorit Bar

Didi Neidhart & Peter Arun Pfaff

SONIC MIGRATIONS

Postkoloniales Denken und Pop-Musik – »*uck IDENTITY politics!«

 

Sound-Lecture des Münchner Electronic-Dub-Duos Eshna_Tron (Jahmoni Musik) über Camp-Montagen, produktive Exotica-Missverständnisse, Beat-Transformationen, widerspenstige Samples, ursprungslose Sounds und Bandproben als Diskurslabore. Die künstlerischen Strategien von Eshna_Tron können als Art meets Science meets Secret Technologies meets Disco & Dub beschrieben werden, wobei es den beiden Protagonisten jedoch auch um die dabei produzierten Probleme, Widersprüche, Irritationen und Zufälle geht.

Die beiden Eshna_Tron-Musiker Peter Arun Pfaff und Didi Neidhart erläutern anhand von konkreten Produktionsschritten ihre Ansätze zu einer Pop-Musik im Gewusel zwischen post-, trans- und hyperkulturellen Theorien und Praxen.

Biografie

Didi Neidhart
ist Musiker, DJ und Pop-Theoretiker. Er schreibt unter anderem für testcard. Didi Neidhart schrieb das deutsche Vorwort zu RETROMANIA von Simon Reynolds (2012). Seine neueste Publikation ist das Buch FISSIONEN. ANLEITUNG ZUM SONAREN FRACKING (2014).

 

Peter Arun Pfaff
ist in Detroit, Michigan, geboren und wuchs in den Vereinigten Staaten sowie in Europa auf. Er studierte in Deutschland, Österreich und Indien. Peter Arun Pfaff arbeitet als DJ, VJ, Doku-Filmer, Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur. Er studierte in Augsburg, Berlin und Wien Philosophie, Geschichte und Psychoanalyse, unter anderem bei Peter Sloterdijk.

Peter Arun Pfaff war von 1999 bis 2001 künstlerischer Leiter des Multimedia-Labors l-o-k in München. Er arbeitete als elektronischer Musiker und DJ, beispielsweise im Kunstverein München in Kollaboration mit Rita McBride für DAMENWAHL (1999), in der Favorit Bar und in den Münchner Kammerspielen (2008). Als Mitglied des DJ-Netzwerks Mego gewann er 1999 den österreichischen Prix Ars Electronica. Außerdem nahm er am Projekt MUNICH CENTRAL der Münchner Kammerspiele als Dramaturg der Produktion RETTET DIE VÖGEL teil. 2014 veröffentlichten er und Didi Neidhart das Album ESHNA_TRON MEETS BELP IN DUB unter dem Label Scharmoni Musik (Jahmoni). In den vergangenen 20 Jahren performte Pfaff zu verschiedenen Gelegenheiten in Deutschland, Österreich und Indien.

19.10.

Einlass ab 20.00 Uhr

Beginn 20.30 Uhr

Eintritt frei

 

Im Anschluss Musik

Favorit Bar

Akira Takayama

Lecture zu  HAPPY ISLAND
(In englischer Sprache)

Der japanische Theatermacher Akira Takayama hat sich schon mehrfach mit dem Reaktorunglück von Fukushima auseinander gesetzt, zuletzt in seinem großangelegten REFERENDUM PROJECT. Bei der theatralen Installation HAPPY ISLAND handelt es sich nun um die Aufführung einer Illustration mit dem Titel DAS MESSIANISCHE GASTMAHL DER GERECHTEN AM LETZTEN TAG. Oder besser gesagt: eine Probe für die Aufführung. Die Besetzung bilden die Kühe der »Farm der Hoffnung«. Die »Farm der Hoffnung« ist eine Viehwirtschaft in 14 Kilometer Entfernung vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, eine Zone, wo weder Menschen leben noch Tiere gehalten werden dürfen. Tatsächlich sind viele Tiere dort zurückgelassen worden und verhungert, und ein Großteil der überlebenden Tiere wurde vergiftet. Der Besitzer der Farm jedoch lebt noch auf diesem Stück Land. Er hat das Anwesen »Farm der Hoffnung« getauft und versorgt dort 330 Kühe, die infolge ihrer Verstrahlung nicht mehr verkäuflich sind. Akira Takayama lädt die Kühe zum Auftritt und veranstalte ein gediegenes Mahl im Namen der glücklichen (Fuku) Insel (Shima).

Biografie

Akira Takayama
(*1969) gründete 2002 Port B. Akira Takayama entwickelt Projekte, die den bestehenden Rahmen des Theaters aufbrechen und sich kollaborativ mit anderen Medien vernetzen. Er arbeitet an der zeitgenössischen Form einer sogenannten »Architektur des Theaters«, bei der er die Praxis des Theaters und des Publikums in die Gesellschaft und den städtischen Raum hinein erweitert. Akira Takayamas zuschauerzentrierte Arbeiten sind der Versuch, ein Theater zu erfinden, das über den physischen Theaterraum hinausgeht, und sich als neue Plattform mit verändertem Funktionsrahmen in der Gesellschaft etabliert. In den letzten Jahren entwickelte er Arbeiten in diversen Genres, unter anderem Tourismus, Stadtplanung, Kunst, Literatur, Mode und Massenmedien. Dabei nutzt er Ideen des Theaters, um neue Potentiale in einem breiten Spektrum von Medien und Disziplinen zu erschließen.

 

LECTURES MIT KALLE LAAR

28.10.

22.00 Uhr

Eintritt frei

 

Muffatwerk Café

Die heilenden Rhythmen der Völker

Das Fremde auf Vinyl vo A(frika) über D(eutsch) bis Z(igeuner)

 

Jahrzehntelang war die Schallplatte das moderne Audio-Medium schlechthin und im Bereich von Musik, Literatur, Politik, Werbung oder Kunst zuständig für tönende Botschaften. Cover und Linernotes wurden zum wesentlichen Ausdrucksmittel, hier hat sich der Zeitgeist in besonderer Weise eingefangen. Wie wurde das Fremde hier dargestellt, von den nächsten Nachbarn bis zu exotischeren und dann auch erreichbaren Tourismuszielen? Welche Klischees wurden aufgegriffen oder erst kreiert? Und wie wurde Deutschland selbst aus der Ferne gesehen? Eine Reflexion über das Bild des Fremden auf Schallplatten in der Zeit vor der Erfindung der »Weltmusik« und digitaler Reproduktion.

Biografie

Kalle Aldis Laar
Klangkünstler, Komponist, Hörspielautor, Dj. Gründer des Temporären Klangmuseums, ein umfassendes Archiv an Vinyl-Dokumenten zur Zeitgeschichte. Ausstellungen, Performances, Projektentwicklungen für overtures.de, u.a. Kunst-Biennalen von Havanna und Venedig, Transmediale Berlin, Ars Electronica Linz. Vorträge und Lectures u.a. zu Klang und Kunst und zur Vinylgeschichte. Lehraufträge zu Wahrnehmung und Klang, zuletzt an der Nanjang University Singapur 2012. Lebt in Krailling bei München und Wien.

02.11.

22.00 Uhr

Eintritt frei

 

Muffatwerk Café

Klang macht Macht

 

Stimme und Suggestion, Krach und Krieg, Audiotechnik und Militär: Reflexionen zum akustischen Herrschaftsraum. Wir haben gelernt der täglichen medialen Bilderflut nicht bedingungslos ausgeliefert zu sein – der emotional unmittelbaren Wirkung von Klang dagegen kann sich niemand entziehen. Lärm definiert Territorium, Töne werden zu Waffen, Stimmen aus dem Off lenken und kontrollieren: Macht offenbart sich auch akustisch. Bemerkungen zum Beutemachen, zu Muzak, Evangelikalen, Seelephonie, der Geburt des Telefons aus dem Geist der Anatomie, Vocoder, militärischer Klangforschung, Verschlüsselung und Überwachung. Und warum die erste digitale Tonspur von JURRASIC PARK nicht überzeugt hat.

Biografie

Kalle Aldis Laar
Klangkünstler, Komponist, Hörspielautor, Dj. Gründer des Temporären Klangmuseums, ein umfassendes Archiv an Vinyl-Dokumenten zur Zeitgeschichte. Ausstellungen, Performances, Projektentwicklungen für overtures.de, u.a. Kunst-Biennalen von Havanna und Venedig, Transmediale Berlin, Ars Electronica Linz. Vorträge und Lectures u.a. zu Klang und Kunst und zur Vinylgeschichte. Lehraufträge zu Wahrnehmung und Klang, zuletzt an der Nanjang University Singapur 2012. Lebt in Krailling bei München und Wien.

 

KÜNSTLERGESPRÄCHE

jeweils im Anschluß an die Vorstellung

24.10.

25.10.


27.10.



28.10

29.10.

30.10.


31.10.


01.11.

05.11.

Dieudonné Niangouna, Le socle des vertiges

Iggy Malmborg, Boner
Jan Lauwers, The Blind Poet


Teatro Línea de Sombra, Amarillo
Mamela Nyamza, Wena Mamela


Rabih Mroué, Riding on a Cloud

Simone Aughterlony / Jorge León, UNI*FORM

Milo Rau, The Civil Wars
Unger/Schmetterlinge/Gustav/Rellöm/Eder/WERK X, Proletenpassion 2015 ff.

Arkadi Zaides, Archive
Motus, Caliban Cannibal

Emke Idema, Rule™

Ulrich Eisenhofer/Benno Heisel, Cassidy

 

NEW WORKS-TALK

07.11.

11.00 Uhr

Muffatwerk

NEW WORKS-Talk

Diskussion mit den beteiligten Künstlern

 

 

Acht Produktionen aus München, Utrecht, Johannesburg, Wien, Berlin und Pristina/Amsterdam werden im Rahmen von NEW WORKS gezeigt. Das abschließende Gespräch bietet die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der »emerging artists« zu diskutieren und mehr über ihre zukünftigen Pläne zu erfahren.

 

URBAN HEAT – public lecture programme

29.10.

14.00-17.00 Uhr

30.10.

10.00-14.00 Uhr

Eintritt frei

 

i-camp | Neues Theater

Unter dem Titel URBAN HEAT haben sich 13 Festivals in Europa und Ägypten zu einem künstlerischen Recherche- und Produktionsnetzwerk zusammengeschlossen. Dabei sollen aktuellen Themen der Stadtentwicklung, partizipatorische Strategien und Technologieanwendungen recherchiert werden. Aufgrund einer europaweiten Ausschreibung wurden durch die Jury der Festivalleiter über 20 Künstler ausgewählt, die in den Jahren 2015 bis 2018 an diesem Projekt teilnehmen werden.
Das Projekt beginnt während SPIELART 2015 mit einer 5-tägigen »Opening Academy« für die beteiligten Künstler und wird im Jahre 2016 mit sog. »Urban Labs« zu den Themen »Choreography, Performance and the Public« (Kairo), »Participation, faith and communities« (Lissabon), »'TechCityLab' supporting artists to respond to the Digital Shift« (London), »Art and Activism« (Dro), »Working within Socio-Economic Power Structures« (Maribor) fortgesetzt. In den Jahren 2017-2018 werden die ausgewählten Künstler bei den beteiligten Festivals neue künstlerische Produktionen realisieren.

Mehr

Ein Projekt von LIFT – London International Festival of Theatre, London – SPIELART Festival, München – Baltic Circle Festival, Helsinki – Festival HOMO NOVUS, Riga – Saal Bienaal, Tallinn – Festival Drugajanje, Maribor – SPRING Performing Arts Festival, Utrecht – Reminiscencjes Festival, Krakau – Alkantara Festival, Lissabon – DCAF, Downtown Contemporary Arts Festival, Kairo – LOKAL Festival und Reykjavik Dance Festival, Reykjavik. Gefördert von der Europäischen Union im Rahmen des Programms »Creative Europe«.



Donnerstag, 29. Oktober

14.00-14.30 Uhr

Welcome und Einführung

29.10.

14.30-15.30 Uhr Lecture

Tomislav Medak

URBAN DISTURBANCE, POLITICAL EMERGENCE

 

In my talk I will start from situating the planetary urbanization from a double perspective of the metabolic relation between the city and the environment and the global division of labor. While the urban density makes the problems of social reproduction (socio-economic inequalities, migrations, waste production) apparent and the political organizing possible, it cannot provide an appropriate geographic and economic scale to analyze the processes that generate these problems. While the contestation against the uneven and combined development is situated locally, its catalysts unfold at the global scale and consequently their critical and strategic imaginary has to unfold at the planetary scale. If art cannot present another world with any degree of plausibility, given that another world is an emergent condition of political contestations, it can still present the extant world under different conditions, making evident its ideological fissures and points of fracture. I will draw on the work of Right to the City Zagreb and the theatre work that I am doing with my theatre company BADco. to reflect that without the radical politics there can be no radical imaginary necessary to the transformation of the world.

Biografie

Tomislav Medak's
interests are in contemporary political philosophy, media theory and aesthetics. Together with his colleagues he is coordinating the theory and publishing program of the Multimedia Institute/MAMA (Zagreb). He is a free software and free culture advocate and the digital librarian for the Public Library project. Tomislav Medak is a supporter of the urban activist initiative Right to the City Zagreb. In parallel he is working with the Zagreb-based theatre collective BADco.

http://www.mi2.hr/en/

http://memoryoftheworld.org/
http://pravonagrad.org/
http://badco.hr/

29.10.

15.30-16.30 Uhr Lecture

John McGrath

CROSSING THE DIGITAL BORDER: THEATRE IN NEW SPACES
DIGITALE GRENZEN ÜBERWINDEN: THEATER IN NEUEN RÄUMEN

 

Auf der Grundlage von Beispielen aus dem National Theatre Wales, der führenden britischen Kompanie für Digitaltheater, spricht John McGrath über neue Räume und Chancen, die die digitale Ära dem Theater bietet.

Biografie

 

John McGrath
geboren in Nordwales, aufgewachsen in Liverpool, ausgebildet als Theaterregisseur in New York, wo er zehn Jahre mit den legendären Ensembles Mabou Mines und La Mama arbeitete. Der urbane Crossover von Genres und Medien in dieser Stadt hinterließ markante Einflüsse in seinem Werk. Zurück in Manchester eröffnete er 1999 das neu gestaltete Contact. McGrath schuf damit einen lebendigen, von Vielfalt geprägten Raum für den künstlerischen Nachwuchs und begründete sein weltweites Renommee als innovativer Förderer junger Künstler. Seit 2009 ist er Künstlerischer Leiter und Direktor des National Theatre Wales (NTW), eine Entscheidung, die der Observer als »eine der besten, die das Haus in den letzten fünf Jahren traf« bezeichnete. Die Company erhielt unter seiner Ägide zahlreiche Auszeichnungen und etablierte sich als global führend im Bereich ortsspezifische und digitale Projekte. McGrath führte selbst Regie bei der preiswürdigen Produktion THE RADICALISATION OF BRADLEY MANNING sowie zuletzt bei der Neuinszenierung der MUTTER COURAGE im Merthyr Tydfil Labour Club. Das NTW wird nicht nur für seine Nachwuchsförderung sondern immer wieder auch für sein Engagement mit diversen Communities in Wales und die Förderung der unabhängigen Theaterlandschaft des Landes gelobt.
2004 erschien LOVING BIG BROTHER, John McGraths Buch zum Zeitalter der Überwachung bei Routledge. Der Autor ist Doktor für Performance-Studien der New York University und Ehrendoktor der Open University. Er wurde mit dem NESTA Cultural Leadership Award ausgezeichnet. Auf internationaler Bühne führte er zuletzt Regie bei der Welturaufführung von THE OPPORTUNITY OF EFFICIENCY am New National Theatre in Tokio. Er ist regelmäßiger Gastredner und hält Workshops von Melbourne bis Schanghai. Zum Jahresende verlässt John McGrath das NTW und wechselt als Künstlerischer Leiter und Direktor zum Manchester International Festival.

29.10.

16.30-17.00 Uhr

Response

Freitag, 30. Oktober

10.00-10.45 Uhr Lecture

Tony Chakar

ANY WORLD THAT I'M WELCOME TO (IS BETTER THAN THE ONE I COME FROM)
JEDE WELT, IN DER ICH WILLKOMMEN BIN (IST BESSER ALS DIE WELT, AUS DER ICH KOMME)

 

Die Medien der Welt berichten vielfach über den IS und seine Zerstörung des komplexen sozialen Gefüges der Levante durch Angriffe auf die dort lebenden (überwiegend) christlichen Minderheiten. In diesen Nachrichtenmeldungen wird regelmäßig betont, wie brutal der IS vorgeht. Seine Aktionen werden als unpolitisch (»barbarisch«) bezeichnet und (als »mittelalterlich«) in einer Zeit verortet, die nicht die unsere ist. Was jedoch seit nunmehr über einhundert Jahren übersehen wird ist eine »katholische Normativität«, die die Werte und Ideen der katholischen Kirche als das wahre Christentum voraussetzt. Viele der östlichen und orientalischen Kirchen der Levante und Ägyptens haben diese Normativität verinnerlicht und tragen damit zur systematischen Vernichtung der ikonografischen und liturgischen Traditionen bei, die bis in die Frühzeit des Christentums zurückreichen. Ebenfalls ignoriert wird, dass sowohl die IS als auch die katholische Normativität Produkte der massiv homogenisierenden Kräfte des Kapitals in der Moderne sind.
Um bedeutungsvoll zu handeln, muss man sich also von den vorgefertigten, medienfreundlichen Kategorien »radikaler Islam« oder »Minderheiten« verabschieden und sich dem wahren Thema, das heißt den kataklysmischen Kräften der Moderne, stellen.

Biografie

 

Tony Chakar
In seinem Werk verbindet der libanesische Architekt und Schriftsteller/Erzähler Tony Chakar Literatur, Philosophie und Theorie. Seine Arbeiten finden sich bei zahlreichen internationalen Ausstellungen. So präsentierte die 31. Biennale von Sao Paolo sein Projekt OF OTHER WORLDS THAT ARE IN THIS ONE (2014) und die Kiewer Biennale (»Die Schule von Kwiw«) sein ALL THAT IS SOLID MELTS INTO AIR (2015).
Chakar schreibt für Kunst- und Architekturzeitschriften und lehrt Kunst- und Architekturgeschichte an der Académie Libanaise des Beaux-Arts der Universität Balamand in Beirut.

30.10.

10.45-11.30 Uhr Lecture

Paula Caspão

ART-MAKING AFFECTS
INTERDEPENDENCIES, (IN)ADEQUATE CONFRONTATIONS, (TRANS)LOCAL IMPLICATIONS

 

One of the few things I am sure of is that I am a »transversal thing«. Both in my personal and professional life, moving across fields and places has always been a source of joy, rather than a matter of discomfort, despite the frictions and collisions that the fact of crossing borders often implies. Yet of late I have been experiencing an acute need to critically resituate my beloved transversal practices of the last years within the current financial, technological, informational, creative capitalism, and the correspondent dominant knowledge economy and knowledge management that has been expanding across western world(s) and beyond – so much predicated on mobile and transversal forms of creativity, on processing, connecting and transplanting information; redesigning, retransplanting, reconnecting, expanding, expanding, expanding. Often softly imposing a life-long social choreography of self-organizing malleable networking, and a never-ending combination of skilling with de-skilling and re-skilling. In this set up, there is no time to really pay attention to the ecologies of our practices, their social effects – not only there where they take (and make) place as they materialize, but also there where they will take (and make) place afterwards, rematerializing in more or less visible ways.
Following this thread, it is clear that a closer look at the working and production modes of my current artistic and related theoretical practices can help me understand the material and immaterial complexity of the social relations they imply, and the economies they have been moving with. And yet I know I will go on working in transversal modes, transposing tools (and plants) across fields and landscapes, for many reasons that have to do with how I want to live everyday. Because displacement (sensorial-intellectual, cultural, geographic) – call it a certain kind of »tourism«, if you will – is where I get my joy from. Because displacement, and even a certain kind of mis-placement – something like a constant artificialization of »original« frames – is what I believe makes sense not only for my practices (taken as inherently social), but also for wider social processes.

Biografie

Paula Caspão
Researcher, lecturer and intermedia artist based in Paris, she works at the crossroads of choreographic performance with other fields, investigating the fictions generated by theoretical production and the modalities of knowledge generated by fiction. She is currently interested in the ecologies, performances and affects implied in the practices that constitute History, the Museum and the Archive. She holds a PhD in philosophy (epistemology and aesthetics) from the University Paris-10, and is an integrated researcher at the Institute of Contemporary History, New University of Lisbon, as well as a postdoctoral research fellow at the Centre for Theatre Studies, University of Lisbon. She works in several formats and situations, often as a guest lecturer and/or artist intertwining discursive, choreographic and performative practices at the Danish National School of Performing Arts, Copenhagen, and other institutions and artistic research venues across Europe, Australia, and the USA.

30.10.

11.45-12.30 Uhr Lecture

Adham Hafez

»AA: ARTISTS ANONYMOUS« - PERFORMANCE-LECTURE ZU URBANEM WANDEL, VERZWEIFLUNG UND DER GEWALT DER BÜRGER-MEGALOPOLIS

 

Eine junge Wissenschaftlerin und Künstlerin hinterlässt einem Freund einen Brief. Frustriert von der Gegenwart ihrer Stadt, wütend über die Vergangenheit und ohne Hoffnung auf die Zukunft bittet sie, ihre Worte vor einem Publikum aus Künstlern, Wissenschaftlern, Kulturproduzenten und Politaktivisten zu verlesen.

AA basiert auf einem fiktiven Brief über wahre Ereignisse und einem echten Brief, der von fiktiven Ereignissen berichtet. Die Lecture gestaltet sich als eine aus theoretischen Überlegungen bestehende Partitur, als kunstgeschichtliche Chronik und Kollektion politischer Strategien. In einer Zeit (post)revolutionären Wandels erscheint dieser Text als Präludium zu einer Erkundung der mythischen und ikonischen Stadt Kairo, die als Megalopolis ihre Bürger ebenso »verzehrt«, wie diese mit jedem ideologischen Bruch die Stadt verzehren. Sie ist zu dicht, als dass wir das inhärente Gewebe (un)sichtbarer sozialer Fäden durchschauen könnten. Singende kommunistische Juden, muslimische Ballerinas und alles dazwischen sind nur ein rascher, erhaschter Blick auf die Komplexität der Demographie und Communities, die in Kairo lebten und leben. In einer Zeit des historischen Wandels greift man gern auf vorgefertigte Rahmen zurück und maskiert auf dem Weg zu Marktsymbolen und Gebrauchswaren jegliche Subjektivität. Doch lassen sich Städte durch Antihelden eher verändern als durch revolutionäre Ikonen? Durch Dämonen statt durch Engel? Durch Abbruchhäuser, geplünderte Museen, verbrannte Bücher und zensierte Tänze eher als durch gefeierte Geschichten oder kommerzialisierte Kulturprodukte? AA will die urbane Glut einer in Staub gewandeten Stadt herunterkühlen.

30.10.

12.30-13.00 Uhr

Response