BETWEEN IDENTITY POLITICS AND THE DISCUSSION OF A »DEFINING CULTURE«

Ho Rui An (Singapur) | Suli Kurban (München) | Mamela Nyamza (Kapstadt) | June Tan (Kuala Lumpur) | Mallika Taneja (Delhi)

 

04.11. 15.00-16.30 Uhr

Muffathalle 1

 

Eintritt frei

 

Moderiert von Sandra Chatterjee (München)

 

Englisch mit deutscher Simultanübersetzung

»Wir glauben, dass die profundesten und potentiell radikalsten Politiken unmittelbar unserer eigenen Identität entspringen und nicht daraus, die Unterdrückung anderer beenden zu wollen.« Dieser Satz entstammt einem Statement zur Genese des zeitgenössischen, Schwarzen Feminismus von 1977 und ist eine der grundlegenden Aussagen zur Identitätspolitik. Im Kern findet diese inzwischen auch in Debatten um z.B. sexuelle Identität, Klasse oder Kaste, Behinderung, Alter und Religion Anwendung, gleichzeitig wird sie jedoch auch zunehmend in rechtspopulistischen Kontexten vereinnahmt. In einer ganz anderen Art von Impuls zur Identitätsbehauptung rief Anfang 2017 der deutsche Innenminister Thomas De Maizière den bereits viel diskutierten und kritisierten Begriff der Leitkultur auf den Plan. So meinte De Maizière, der wachsenden Zahl an Geflüchteten mit Hinweisen zum freundlichen Händeschütteln und Sätzen wie »wir sind nicht Burka« eine sinnvolle Anleitung zur Anpassung an »europäische Werte« geben zu können. Die Frage, wie Identität und Politik sinnvoll zusammen gedacht werden können und ob und wenn ja nach wessen Vorstellungen ein Grundkonsens des Zusammenlebens (neu) gebildet werden kann, bleibt – zumindest in der aktuellen deutschen Debatte – offen.





 

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Besetzung
Mit Ho Rui An | Suli Kurban | Mamela Nyamza | June Tan |  Mallika Taneja 

 

Biografie
Ho Rui An ist Künstler und Autor, der an der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, Kino, Performance und Theorie arbeitet. Sein Interesse gilt Bildern und deren Hervorbringung im Kontext von Globalisierungs- und Machtstrukturen. Seine Arbeiten werden international gezeigt, so zum Beispiel bei der 2nd Kochi-Muziris Biennale, beim TPAM Performing Arts Meeting in Yokohama, im Haus der Kulturen der Welt (Berlin), dem Hessel Museum of Art, den Serpentine Galleries (London) und vielen anderen. Ho Rui An ist Redakteur für die Zeitschrift ArtAsiaPacific, er lebt und arbeitet in Singapur.

Die Filmregisseurin und Journalistin Suli Kurban kam 1999 mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie war eine der Hauptdarsteller*innen in DRAUSSEN BLEIBEN (2005), ein Dokumentarfilm über die Situation ausgeschlossener Jugend in München und 2008 Teil von FLUCHTEN 1–4 an den Münchner Kammerspielen. Suli Kurban war 2014 Rednerin bei TEDxMunich »At Second Glance«. Für ihren letzten Film, DER LÖWE VON NEUPERLACH, wurde sie mit dem Medienpreis des International Press Club Munich ausgezeichnet. Bei SPIELART 2017 ist sie an der Produktion WHISPERING BODIES beteiligt.


Mamela Nymaza, geboren in Kapstadt, durchlief eine klassische Tanzausbildung und tanzte in Musicals wie LION KING und WE WILL ROCK YOU. In ihren eigenen, autobiografisch geprägten Arbeiten setzt sie sich mit sozialen Themen, die ihre Heimat Südafrika betreffen, auseinander. Nyamza versteht sich auch als politische Aktivistin und engagiert sich in den Bereichen Sozialarbeit, Tanz- und Bewegungstherapie. Ihre Projekte werden international gezeigt und gefördert, unter anderem im Senegal, der Republik Kongo, den USA, Kanada, Deutschland, Slowenien und Österreich. Bei SPIELART war sie zuletzt 2015 mit WENA MAMELA zu sehen. Bei SPIELART 2017 ist ihr Stück DE-APART-HATE zu sehen.

June Tan ist Biologin und Mitglied des Performance-Kollektivs Five Arts Centre (Malaysia). Ihre Perspektive baut auf ihre parallelen Erfahrungen im Unternehmenssektor auf, sie interessiert sich für das Verstehen von Systemen und das Herstellen von Freiräumen für Unterschiedlichkeiten und Diskussionen sowie für Modelle des Herstellens von Kunst. Seit 1997 hat June diverse lokale und internationale Produktionen als Produzentin und Produktionsmanagerin betreut. Außerdem schrieb sie die Skripts für diverse malaysische TV- und Filmproduktionen. Bei SPIELART 2017 ist ihr Stück VERSION 2020 – THE COMPLETE FUTURES OF MALAYSIA CHAPTER 3 zu sehen.

Mallika Taneja lebt und arbeitet in Delhi als Theatermacherin. Ihre Arbeiten wurden in ganz Indien und in den letzten Jahren auch international gezeigt. 2015 wurde ihre Arbeit BECAREFUL beim Theater Spektakel Zürich ausgezeichnet. In Delhi leitet Mallika Taneja eine Initiative für Kunst in Viertel und Nachbarschaft mit dem Namen Lost & Found. Bei SPIELART 2017 ist ihre Produktion RUKAAWAT KE LIYE KHED HAI (SORRY FOR THE INTERRUPTION) zu sehen.

Sandra Chatterjee ist Choreografin und Wissenschaftlerin. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit den Forschungsschwerpunkten Performance-, Kultur- und Tanzwissenschaften, Genderstudien, Migration und Postcolonial Studies erkundet sie stets die Überschneidungspunkte zwischen Theorie und künstlerischer Praxis. Sie ist ausserdem Gründungsmitglied der Post Natyam Collective, einer multi-nationalen, internet-basierten Gruppe von Choreografinnen und Wissenschafterinnen, die sich durch interdisziplinäre Arbeit in Tanz, Performance und Video kritisch mit südasiatischer Ästhetik auseinandersetzen.