VAGABONDS

 

 

Eintritt frei

 

Künstlergespräch in englischer Sprache am 1.11. von 20-20.30 Uhr in der Ausstellung (Gasteig).

 

Ist es das Handeln, das Performen von Aktionen, das den Artivisten zum Artivist macht? Während bestimmte Aktionen zu einem gewissen Grad immer sichtbar sind und eine Annäherung ermöglichen, bleiben private Prozesse vor und nach der Aktion selbst meist im Verborgenen und entziehen sich einer Annäherung. VAGABONDS widersetzt sich dieser Unsichtbarkeit: Wir begleiten Artivisten durch ihren Alltag im ukrainischen Czernowitz, im litauischen Kaunas und in München, und erlauben damit den Blick auf originäre »Widerstandskunst«, wo Kunst und Alltag noch nicht voneinander getrennt sind. In der Nahaufnahme ihrer Wohnungen, der Brennpunkte ihres lokalen Engagements und ihrer täglichen Rituale jenseits von Performance und Aktivismus, zeichnet die Installation ein europäisches Cluster in architektonischen und performativen Miniaturen nach.

 

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Besetzung
Projektleitung Chernivtsi Natalia Anol | Roșa Collective Künstlerische Projektleitung, Dramaturgie Anna Donderer | CADAM. Licht, Technik Jonaid Khodabhakshi Video, Installation Friedrich Rackwitz| fortis green film+medien Idee, künstlerische Projektleitung, Dramaturgie Juliane Rahn | CADAM. Szenografie, Installation Theresa Scheitzenhammer Projektleitung Kaunas Kotryna Valiukeviciute | 54°+

 

Biografie
Anna Donderer ist künstlerische Projektleiterin und Kunstvermittlerin. Sie studierte Theaterwissenschaft mit Schwerpunkt Tanz an der LMU München. Neben ihren Projekten mit CADAM. trat sie zuletzt als Mitglied des rat&tat kulturbuero vor allem bei freien Projekten von KollegInnen als Dramaturgin und Produktionsleiterin in Erscheinung. Sie ist Mitbegründerin von PAT – Performing Art Talks und sammelte reichhaltige Erfahrung bei den Münchner Festivals SPIELART, DANCE, RODEO und bei der Abteilung für Kunstvermittlung im ZKM Karlsruhe.

Friedrich Rackwitz studierte Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft in München und begann nach seinem Abschluss 2009 an der HFF München mit dem Studium der Dokumentarfilmregie. Gleichzeitig war er als Kameraassistent, Produktionsleiter und Regieassistent für Tangramfilm in München tätig. 2011 war er Gaststudent an der HFG in Karlsruhe in der Klasse für Videokunst bei Thomas Heise. Seit 2012 arbeitet er zusammen mit CADAM. an verschiedenen Projekten. 2014 begann er für das Haus der Kunst in München Ausstellungsfilme und Trailer zu drehen. Seit 2015 ist er Partner von Fortis Green Film + Medien.

Juliane Rahn studierte Dramaturgie in München und Krakau (Polen). Bis 2012 arbeitete sie als Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) am Gradsko Pozorište (Stadttheater) Jazavac und für das Performancekollektiv Nevid Teatar (u.a. WALKING MEJDAN und TITO WAS NOT HERE). Derzeit promoviert sie sich als Stipendiatin der Hans und Eugenia Jütting – Stiftung im Fach Theaterwissenschaft über die Performanceszene im sozialistischen Jugoslawien und ist in München und in MOE/SOE als freiberufliche Dramaturgin und Kulturmanagerin tätig (u.a. hiSTOREy Giesing und TANDEM UKRAINE).

Theresa Scheitzenhammer studiert seit 2009 Bühnenbild und Kostüm an der Akademie der bildenden Künste München.  Derzeit arbeitet sie an ihrer Diplomarbeit, gefördert durch ein Stipendium der Brigitte und Ekkehard Grübler – Stiftung und ist als freiberufliche Bühnen- und Kostümbildnerin tätig (zuletzt: hiSTOREy Köln mit CADAM., demnächst: MAN SIEHT SICH, Regie: Jörg Wesemüller, Choreografie: Simone Lindner).

Internationale Beziehungen studierte Natalia Anol in Czernowitz, ihren Abschluss in Journalistik machte sie in Lwiw (Ukraine). Ihre in Czernowitz gegründete Stadtinitiative Roșa Collective arbeitet mit Aktivisten der Community an der Untersuchung und Entwicklung des öffentlichen Raumes und des urbanen Gedächtnisses. Aktuell ist Anol als freie Journalistin und Kulturmanagerin der Projekte Tymchasova Vydymist | Temporäre Sichtbarkeit (TANDEM UKRAINE) und Barbussa, 25 tätig.

Seit kurzem lebt die Historikerin, Kulturanthropologin und Architektin Kotryna Valiukeviciute im litauischen Kaunas, wo sie sich für die Belebung der Stadt einsetzt. Ihr Interesse gilt der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Praxis im modernen urbanen Umfeld. Valiukeviciute ist Mitgründerin des unabhängigen Labors für sozioräumliche Erfahrung 54°+. Zuletzt realisierte sie kreative und experimentelle Interventionen im öffentlichen Raum und engagierte sich für die Einbindung der Communities und in sektorenübergreifenden Kooperationen.

CADAM. steht für »Curating Art Developing Alternative Motions«. Fünf Theater- und Tanzwissenschaftler gründeten 2011 die Münchner Initiative, die sich auf dem Konzept gleichberechtigter Kooperation aufbauend in verschiedenen Teams und mit mehreren Projektpartnern in lokalen und partizipatorischen Produktionen aus dem Bereich der darstellenden Künste engagiert, um einen Beitrag zur alternativen Wahrnehmung von Teilhabe an Stadtentwicklung zu leisten.

Roșa Collective ist im ukrainischen Czernowitz zuhause. Wichtigste Mission der urbanen Initiative ist der Aufbau und die Stärkung eine aktiven lokalen Community. Rosa Collective will die bedeutenden humanen, historischen und kulturellen Ressourcen der Stadt im Dialog mit anderen Gruppen und Projekten nutzen, um das kulturelle Leben in der Stadt zu fördern und es in einen nationalen und globalen Kontext einzubetten. Gleichzeitig sollen nationale und globale Impulse in lokale Projekte einfließen. Erfahrungen und Praktiken aus dem Ausland sollen nach Czernowitz transportiert werden, damit auch diejenigen, die Teil moderner Kulturprozesse sein wollen, ohne die Stadt zu verlassen, partizipieren können.

Im Stadtraum fließen soziale, ökonomische, politische, kulturelle und Umweltbeziehungen zusammen. Die Neufügung der bestehenden Beziehungen soll ihn öffnen. 54°+ erfindet spezifische Methoden und kreative Praktiken für den urbanen Kontext. In Kooperationen und gemeinsam organisierten Workshops, Community-Partizipation, sektorenübergreifender Zusammenarbeit und Mediation werden die »Toolboxes« des Projekts getestet und genutzt. Das Labor für sozioräumliche Erfahrung 54°+ befindet sich in Kaunas, Litauen.