BRITAIN IN PIECES

 

04.11.
16.45-17.30 Uhr

17.30-18.15 Uhr

19.00-19.45 Uhr

19.45-20.30 Uhr

Gasteig Celibidache Forum

 

Eintritt frei

 

Englisch

Vor wenigen Jahren schien die Idee des Nationalstaates noch im Strebe begriffen zu sein. Globale Handelsbeziehungen und internationaler Terrorismus wurden vom Internet befeuert, gleichzeitig wuchs einerseits der Lokalpatriotismus, anderseits die auch die Europäische Union, der 500 Millionen Menschen in 28 Ländern angehörten. Doch nun feiert im Vereinigten Königreich, während seine politische Führer*innen durch die Brexit-Verhandlungen navigieren, die Nationalflagge ein unerwartetes Comeback. Gleichzeitig vertiefen sich uralte soziale Grabenkämpfe um Klasse, Ethnizität, Religion und Bildung, während Unterschiede zwischen alt und jung, zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung an neuer Bedeutung gewinnen. BRITAIN IN PIECES reflektiert den brüchig werdenden Narrativ des Nationalstaates in vier Gesprächen mit Künstler*innen: In einem so multikulturellen Land, was meinen wir überhaupt mit »britisch«? Welche Geister der kolonialen Vergangenheit lauern noch in den Realitäten des Alltagslebens und wie beeinflusst unsere Ängste vor globaler Gewalt die Art, mit der wir auf kulturelle Diversität in unseren Gemeinden blicken?






FRAGMENT 1: RUNNING TOWARDS THE FIRE (Talk), 16:45 bis 17:30

Chris Thorpe Manchester im Gespräch mit Dawn Walton Sheffield 

In Bezugnahme auf die Recherchen, die der Schriftsteller und Performer Chris Thorpe für seine neue Performance STATUS im Vereinigten Königreich und in Deutschland durchgeführt hat, untersucht er nationale Identität(en) und stellt sich die Frage, inwiefern ein Bewusstsein für Nationalität und geografische Zugehörigkeit jenseits rechtsextremer Narrative existieren kann. Was ist dieser geliebte Ort, den wir Heimat nennen? Kann oder soll er verteidigt werden.



FRAGMENT 2: X (Talk), 17:30 bis 18:15

Project O  London




Die Choreografien von Jamila Johnson Small und Alexandrina Hemsley (Project O) befassen sich mit den Arten, auf die Schwarze Körper im Tanz, in den Medien und der Gesellschaft gesehen und interpretiert werden. Konventionalisierte Bilder des  Schwarzen Frauenkörpers und die mit ihnen verbundenen Ängste werden in Kontexten des weißen, männlichen Blickes durchgespielt. Wie lassen sich vor dem Hintergrund von Großbritanniens Kolonialgeschichte neue Bilder und mögliche Zukunftsvisonen entwickeln?



FRAGMENT 3: FEAR & LOATHING IN CYBERSPACE (Talk), 19:00 bis 19:45

Javaad Alipoor Manchester im Gespräch mit Ajmal Hussain  Birmingham



Egal ob ISIS oder Rechtsextremius – das Internet wurde über die letzten Jahre Hinweg zum Schauplatz diverser Kollisionen des lokalen und globalen Extremismus. In seiner Performance THE BROTHERS ARE BUT BELIEVERS widmente sich Javaad Alipoor einer Generation junger Männer, die voller Unmut und Verbitterung sind. Im Gespräch mit Ajmal Hussain wird Alipoor dieses Phänomen im Zusammenhang mit der Britischen Außen- und Innenpolitik und der umstrittenen Prevent Strategie gegen Radikalisierung ins Auge fassen.





FRAGMENT 4: CLOSING PANEL (Panel Discussion), 19:45 bis 20:30

Moderiert von Tim Harrison



In Zeiten der Verwirrung, Fragmentierung und der sich dramatisch Verändernden Narrative im Vereinigten Königreich und dem Rest der Welt stellt sich die Frage, welche Rolle die darstellenden Künste im Zuge dringlicher sozialer Debatten spielen können. Bislang existiert keine einzige logische Annäherung an »Brexit-England« und seine Position im internationalen Gefüge, die sowohl seine Beziehung zu den europäischen Nachbarn und das koloniale Erbe als auch seine jüngere Geschichte im mittleren Osten und die besondere Beziehung zu den USA zu deuten weiß. Vielleicht befinden sich das Theater und die anderen Künste in der einzigartigen Position, einen lebendigen, nuancierten Gegenpol zu den Positionen der Massenmedien und Politiker*innen bilden zu können. Die abschließende Diskussionsrunde bringt alle Künstler*innen von BRITAIN IN PIECES  zuammen und lädt auch das Publikum zum mitdiskutieren ein.  

 

LESEN SIE MEHR:
Besetzung
Mit Javad Alipoor (Manchester)| Tim Harrison (Manchester)| Ajmal Hussain (Birmingham)| Project 0 (London) | Chris Thorpe (Manchester)| Dawn Walton (Sheffield)

 

Biografie
Javaad Alipoor ist Autor, Theatermacher und Regisseur. Er ist Leiter einer eigenen Theater Company aber auch Resident Associate Director des The Crucible und Associate Director des Theatre in the Mill. Seine Arbeiten finden in unterschiedlichsten Rahmenbedingungen statt, seine plattformübergreifende digitale und »reale« Community Arbeit ist hierbei stets ein wesentlicher Inhalt. Er schreibt Theaterstücke, Lyrik und Prosa.

Tim Harrison ist der künstlerische Leiter des Festivals SICK! in Manchester. SICK! stellt sich den physischen, geistigen und sozialen Herausforderungen des Lebens und des Todes durch die künstlerischen Mittel Tanz, Theater, Film und durch Spoken-Word-Performances. Das biennal organisierte Festival verbindet Forscher, Fachleute aus dem Gesundheitswesen, Stiftungen und Menschen, die persönliche Erfahrungen zu den diskutierten Themen gesammelt haben. Tim Harrison arbeitet seit 2000 mit verschiedenen Schauplätzen, Festivals und Förderern im Feld der zeitgenössischen Performance und hat einen Doktortitel (PhD) in Kunstgeschichte.

Dr. Ajmal Hussain ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Manchester. Seine Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der kulturellen Identitäten britisch-asiatischer Jugendlicher im postkolonialen, urbanen Kontext. Derzeit leitet er ein Rechercheprojekt der UK zum Thema islamistische Radikalisierung, das Teil des Projekts Dialogue About Radicalisation and Equality (DARE) ist.

Seit 2010 loten Project O mit ihren Tänzen für die Bühne, performativen Interventionen im öffentlichen Raum, Choreografien für Körper, die nicht ihre eigenen sind, einer Lecture Performance, einem Schulprojekt und einer Publikation die Grenzen dessen, was zeitgenössischer Tanz sein kann, aus. Derzeit arbeiten sie an der achtstündigen Show VOODOO und an einer Serie von ortsgebundenen Kurzarbeiten, NATIVE INSTINCTS: PSYCHIC LABOURS.

Chris Thorpe ist Autor und Performer aus Manchester. Neben zahlreichen Kooperationen mit dem Unlimited Theatre, der Performance Gruppe Third Angel und der portugiesischen Gruppe mala voadora sowie Arbeiten für das Forest Fringe, die BBC und das Belarus Free Theatre ist Chris Thorpe auch als Übersetzer und als Musiker tätig.

Dawn Walton ist Gründerin und künstlerische Leiterin der Eclipse Theatre Company – Englands wichtigstem Tourneetheater von und mit Schwarzen Darsteller*innen. 2017 ist Walton 20 Jahre im Theaterbereich tätig – beginnend als Regisseurin am Royal Court Theatre und später als Leiterin des Studio-National Theatre. Mit Eclipse entwickelte sie zahlreiche Theaterarbeiten sowie Serien von Kurzfilmen und Hörstücken.