GENERAL ASSEMBLY

Milo Rau | IIPM – International Institute of Political Murder (Köln)

 

03.11. 19.00-21.00 Uhr

04.11.
10.00-13.00 Uhr

13.30-16.30 Uhr

17.00-20.00 Uhr

05.11.
10.00-13.00 Uhr

13.30-16.30 Uhr

17.00-19.00 Uhr

Café Muffathalle

 

Eintritt frei

 

Hinweis: In Verbindung mit einem Reenactment des historischen »Sturms auf den Winterpalast« findet am 7.11.2017 ein Protestmarsch vor das Gebäude des Reichstags statt, der die Forderungen des Globalem 3. Standes untermauern soll. (Keine Übertragung zu SPIELART)

 

Englisch

Trotz weltweiter ökonomischer und politischer Verwicklungen existieren auf globaler Ebene weder wirkungsvolle rechtliche Institutionen noch ausreichende demokratische Strukturen, die den Weltmarkt hinreichend regulieren, völkerrechtliche Verstöße verfolgen, Menschenrechte durchsetzen oder ökologische Entwicklungen in sinnvolle Bahnen leiten könnten. Die GENERAL ASSEMBLY, die vom 3. bis 5. November 2017 erstmals in Berlin tagt, füllt mit ihrem Entwurf eines Weltparlaments diese Leerstelle. 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt kommen in der Bundeshauptstadt zusammen, um das neu gewählte deutsche Parlament herauszufordern – repräsentativ für alle Akteurinnen und Akteure, die von der deutschen Politik betroffen sind, jedoch kein politisches Mitspracherecht haben. Das erste Weltparlament der Menschheitsgeschichte, begleitet von einer Gruppe internationaler politischer Beobachter, gipfelt in der Verabschiedung der »Charta für das 21. Jahrhundert« und den »Sturm auf den Reichstag« am 7. November, genau 100 Jahre nach dem legendären »Sturm auf den Winterpalast«.



Freitag, 3. November 2017
Constitutive Session,
19.00 bis 21.00 Uhr



Mit Statements und Reden zur historischen Dimension und politischen Notwendigkeit eines Weltparlaments wird die GENERAL ASSEMBLY eröffnet. Zudem wird von den versammelten Abgeordneten der Vorsitz gewählt. In dessen erster öffentlicher Ansprache werden die Mitglieder des deutschen Bundestags aufgefordert, sich der neu konstituierten Versammlung des globalen Dritten Standes anzuschließen.




Samstag, 4. November 2017


1. Plenarsitzung: Diplomatic Relations, Sanctions and Wars,
10.00 bis 13.00 Uhr


Seit der Gründung der UN und der Ratifizierung der Charta für die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts und den Schutz der Menschenrechte ist umstritten, welche Maßnahmen zu deren Aufrechterhaltung gerechtfertigt sind. In der GENERAL ASSEMBLY debattieren über diese transnationalen Fragen die Betroffenen selbst: Kriegsopfer, die Anhänger und Gegner von in diplomatischer Kritik stehender Regierungen, die Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Verurteilten.



Abgeordnete: Huda Abuzeid (libysche Demokratie-Aktivistin), Dogan Akhanlı (türkischer Journalist), Anwar al-Bunni (Anwalt, Kritiker des Assad-Regimes), Winfried Hempel (Anwalt ehemaliger Bewohner der Colonia Dignidad), Sami Miaari (Liberaler Ökonom, Universität Tel-Aviv), Tugrul Selmanoglu (AKP-Unterstützer), Ala’a Shehabi (Aktivistin gegen Überwachungstechnik), Ali Ertan Toprak (Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland) u. a.




2. Plenarsitzung: The Regulation of Global Economy,
13.30 bis 16.30 Uhr


Der durch Freihandelsabkommen beförderte globale Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr hat ein dichtes Netzwerk von über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg wirksamen, aber ungenügend regulierten Wechselbeziehungen hervorgebracht. Hier debattieren darüber u. a. vertriebene Bergbauern*bäuerinnen, durch westliche Regulierungsmaßnahmen benachteiligte lokale Unternehmer*innen und Regierungsvertreter*innen, ausgebeutete Textilarbeiter*innen sowie Opfer von Folter und Gewalt.



Abgeordnete: Lúcio Bellentani (ehemaliger Mitarbeiter im VW-Werk Brasilien), Feri Irawan (Aktivist gegen Palmölkonzerne in Indonesien), Khushi Kabir (Aktivistin gegen Shrimpsfarmen in Bangladesch), Kiringai Kamau (Landwirtschaftsunternehmer), Saeeda Khatoon (Pakistanische Textilarbeiterin, Klägerin gegen KiK), Prince Kihangi (Experte für Rohstoffpolitik im Kongo) u. a.





3. Plenarsitzung: Migration and Border Regime,
17.00 bis 20.00 Uhr


Während die Grenzen für europäische Unternehmen immer mehr geöffnet, die Barrieren für
den internationalen Handel mit Waren oder Staatsschulden abgebaut werden und die
Personenfreizügigkeit eine perfekte Allokation von Arbeitskräften ermöglichen soll, führen
Sicherheitsbedenken zur Befestigung neuer Grenzen. Hier debattieren die Arbeitsmigrant*innen
und sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, die entrechteten Grenzgänger*innen und die überforderten Grenzschützer*innen.



Abgeordnete: Hamze Bytyci (Roma-Aktivist), Christos Giovanopoulos (Mitorganisator der Proteste auf dem Syntagma- Platz in Athen), Cezary Gmyz (polnischer Journalist), Nathan Luc Gwehaye (Journalist aus Kamerun), Joana Reiterer (Aktivistin gegen Menschenhandel), Abou Bakar Sidibé (Filmemacher, Geflüchteter aus Mali) u. a.





Sonntag, 5. November 2017



4. Plenarsitzung: Cultural Global Commons,
10.00 bis 13.00 Uhr


Die technologischen Revolutionen der letzten Jahre haben weltweit den Zugang zu Informationen und Gütern ermöglicht, die vorher exklusiv oder regional waren. Diese Entwicklung verschärft eine Reihe transnationaler, kultureller Konflikten um die Widersprüche zwischen universellen Werten und regionalen oder nationalen Traditionen und Praktiken. Hier verhandeln die Zerstörer*innen und Kurator*innen von Kulturgütern, die Künstler*innen und die provozierten religiösen Vertreter*innen, die Nachkommen der Kolonialherren und die vergessenen Toten.



Abgeordnete: Handan Aksu (türkische Bloggerin), Aral Balkan (Cyborg- Aktivist), Dyab Abou Jahjah (Aktivist aus dem Libanon), Meera Jamal (pakistanische Journalistin im Exil), Israel Kaunatjike (Herero-Aktivist), Kim Lee (polnische Drag Queen), Maxim Shevchenko (russischer Journalist, Experte für Religionspolitik), Bernadus Clinton Swartbooi (ehemaliger Minister für Landwirtschaftsreform in Namibia) u. a.





5. Plenarsitzung: Natural Global Commons,
13.30 bis 16.30 Uhr


Expert*innen sind sich längst einig, dass die demographischen Entwicklungen und der Massenkonsum zerstörerische ökologische Konsequenzen für zahlreiche Völker und andere Lebewesen auslösen. Die notwendigen Gegenmaßnahmen stehen aber im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen der Industrienationen sowie zu den legitimen Forderungen nach Entwicklung in der »Dritten Welt«. In der GENERAL ASSEMBLY werden diese Konflikte von den Vertreter*innen von Menschen, Tieren und Pflanzen ausgetragen, deren aktuelle und zukünftige Lebensräume zerstört werden.



Abgeordnete: Pablo Fajardo Mendoza (Anwalt im Prozess gegen den Energiekonzern Chevron Corporation), Dieter Gerten (Professor für Klimasystem und Wasserhaushalt im globalen Wandel), Théophile de Giraud (Antinatalist), Colin Goldner (Aktivist für die Grundrechte von Menschenaffen), Benedikt Härlin (Zukunftsstiftung Landwirtschaft), Cornelia Kaminski (Lebensrechtlerin), Melvin Purzuelo (philippinischer Klimaaktivist), Hilal Sezgin (Tierrechtlerin) u. a.





Schlusssitzung,
17.00 bis 19.00 Uhr


In der Schlusssitzung fassen die politischen Beobachter*innen die wesentlichen politischen Forderungen und beschlossenen Richtlinien zusammen, die aus den Debatten der Abgeordneten in den fünf Plenarsitzungen hervorgehen, und skizzieren die »Charta für das 21. Jahrhundert«.


 

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Besetzung

Konzept und Regie Milo Rau Recherche und Dramaturgie Eva-Maria Bertschy Bühne und Ausstattung Anton Lukas Dramaturgische Mitarbeit Stefan Bläske, Carmen A.J. Hornbostel Mitarbeit Recherche Kasia Wojcik Infographik Ole Häntschel Produktionsleitung Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann, Mitarbeit Produktionsleitung Thomas Fabian Eder, Technische Leitung Jens Baudisch Kamera Tilo Schneider, NN Live-Streaming Can Elbasi Public Relations Yven Augustin Social Media Luise Müller-Hofstede und Karolin Langfeldt (fromberlinto) Film   »Sturm auf den Reichstag« Patricia Corniciuc Organisation und Mobilisierung Daniel Knopp und Jule Ulbricht Simulantübersetzung Civit‘ Dolmetschen + Übersetzen Regieassistenz Bastian Kirfel Dramaturgieassistenz Nicolai Morawitz 

 

 

Biografie
Milo Rau arbeitet als Regisseur und Autor. Für die Produktion und Auswertung seiner künstlerischen Arbeiten gründete Rau im Jahr 2007 die Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM – International Institute of Political Murder. Der vielfach ausgezeichnete Milo Rau wurde zuletzt mit der Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik 2017 und dem ITI-Preis zum Welttheatertag 2016 geehrt. Neben seiner Arbeit für Bühne und Film ist er als Dozent für Regie, Kulturtheorie und soziale Plastik an Universitäten und Kunsthochschulen tätig. SPIELART 2017 zeigt gemeinsam mit den Münchner Kammerspielen DIE 120 TAGE VON SODOM, eine Produktion von Milo Rau mit dem Schauspielhaus Zürich und dem Theater HORA.

 

Produktion und Realisierung
Die »General Assembly« ist eine Produktion des IIPM – International Institute of Political Murder in Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Spartenoffene Förderung Berlin durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Bundeszentrale für politische Bildung und unterstützt durch Brot für die Welt, European Center for Constitutional and Human Rights – ECCHR, medico international, Rettet den Regenwald und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.