DECOLONIZING EVALUATION

Boyzie Cekwana (Durban) | Nora Chipaumire (New York | Mutare) | Mark Teh (Kuala Lumpur) | Sankar Venkateswaran (Attappadi)

 

05.11. 13.45-15.15 Uhr

Festivalzentrum

 

Eintritt frei

 

Moderiert von Jay Pather (Kapstadt)

 

Englisch

Was ist »gute Kunst«, was gutes Theater? Kann es so etwas wie universelle Kriterien zu seiner Bewertung geben? Oder gibt es nur unterschiedliche, individuell, kulturell oder durch den Zeitgeist geprägte Bündel von Vorstellungen, Intuitionen und Erwartungen, die mit dem Erfahrungshorizont des jeweiligen Betrachtenden untrennbar verbunden sind? Was ist zeitgenössische Kunst? Keine dieser Fragen lässt sich hinreichend beantworten, ohne zunächst zu analysieren, woher die ihr zugrunde liegenden Erwartungen kommen und auf welche Vorstellungen von Wissen, Kanon oder Qualität sie sich berufen. So beweist sich der Begriff der zeitgenössischen Kunst bei näherer Betrachtung als Fallgrube – speist er sich doch aus einer Vorstellung von Modernität, die sich in Abgrenzung von Traditionalität und vermeintlicher Authentizität sieht und somit auf einer Unterscheidung fußt, die sich angesichts kolonialer Bestrebungen, indigene Kunst vom Kulturbetrieb auszuschließen, aus postkolonialer Perspektive kaum aufrecht erhalten lässt. Wie also kann ein konstruktiver Diskurs über die Bewertung künstlerischer Arbeiten aussehen?

 

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Besetzung
Mit Boyzie Cekwana (Durban) | Nora Chipaumire (New York | Mutare) | Mark Teh (Kuala Lumpur) | Sankar Venkateswaran (Attappadi) 

 

Biografie
Der Performer und Choreograf Boyzie Cekwana gilt als eine der wichtigsten und international erfolgreichsten Stimmen der darstellenden Künste aus dem afrikanischen Süden. Schon als Achzehnjähriger gründete er seine erste eigene Tanzkompanie, fünf Jahre später wurde er Haus-Choreograf der Playhouse-Company. 1995 wurde er mit der Choreografie BROTHER, BROTHER international bekannt. Cekwanas Arbeiten fusionieren zeitgenössischen Tanz mit Melodien und Bewegungen, die den Protestbewegungen der Townships entstammen. So entsteht eine Ästhetik, die sich in ihrer Form ebenso sehr wie in ihrem Inhalt zu künstlerischer Identität, Macht und Kolonialismus positioniert. Bei SPIELART 2017 ist sein Stück THE LAST KING OF KAKFONTEIN zu sehen.

Die in Mutare, Simbabwe geborene und in New York City lebende Nora Chipaumire stellt sich in ihren Arbeiten immer wieder den Stereotypen, die sich auf Afrika, auf Schwarze Performer*innenkörper, Kunst und Ästhetik richten. Sie ist Absolventin der Zimbabwe School of Law und studierte Tanz und Choreografie am Mills College sowie in verschiedenen afrikanischen Ländern, in Kuba, Jamaica und den USA. Nora Chipaumire war in verschiedenen Tanzfilmen zu sehen, mit AFRO PROMO #1 KING machte sie 2016 zudem ihr Debut als Filmregisseurin. Derzeit beschäftigt sie sich unter anderem mit Hühnerhaltung in Burkina Faso und mit der Kreation lebender Archive mit zeitgenössischen Tänzer*innen in Harare. 

Mark Teh lebt und arbeitet in Kuala Lumpur. Seine Arbeitspraxis ist in erster Linie im Bereich der Performance zu verorten, jedoch entwickelt er auch Ausstellungen und Interventionen, die sich teils direkt in den Stadtraum einschreiben, er kuratiert, schreibt und beteiligt sich an Bildungsinitiativen. Mark Teh ist Mitglied des Five Arts Centre, einem interdisziplinären Kollektiv von Aktivist*innen und Künstler*innen. Bei SPIELART 2017 ist seine Uraufführung VERSION 2020 – THE COMPLETE FUTURES OF MALAYSIA CHAPTER 3 zu sehen.

Sankar Venkateswaran ist Regisseur, Dramaturg, Schauspieler und Komponist. Er studierte an der Calicut University School of Drama & Fine Arts in Thrissur und am Intercultural Theatre Institute in Singapur. In München ist er gern gesehener Gast am Volkstheater, wo seine Regiearbeiten TAGE DER DUNKELHEIT und INDIKA zu sehen waren. 2011 war Venkateswaran Artist in Residence in Zürich wo er dann 2016 Jurymitglied des Theater Spektakel wurde. Seit 2015 ist er künstlerischer Leiter des International Theatre Festivals of Kerala, außerdem unterrichtet er Schauspiel und Regie in Mumbai und komponierte Musik für diverse Bühnenproduktionen.

Der Regisseur, Choreograf und Forscher Jay Pather ist Direktor des Gordon Institute for Performing and Creative Arts an der University of Cape Town, Kurator des Centre for Performative Practice, Zeitz MOCAA, des Infecting the City Festivals sowie künstlerischer Leiter des Siwela Sonke Dance Theatre. Im Rahmen seiner Tätigkeit für das ICA Live Art Festival schuf er Strukturen zur interdisziplinären Kollaboration. 2016 wurde er zum Fellow der University of London und vom französischen Kulturministerium zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt. Bei SPIELART 2017 hat Jay Pather die kuratorische Beratung für das Programm von CHASING RAINBOWS übernommen.