WHISPERING BODIES

Suli Kurban (München ) | Alejandro Ahmed (Florianapólis) | José Fernando de Azevedo (São Paulo)

 

29.10. 10.00-18.00 Uhr

31.10. 10.00-18.00 Uhr

01.11. 10.00-18.00 Uhr

02.11. 10.00-18.00 Uhr

03.11. 10.00-18.00 Uhr

04.11. 10.00-18.00 Uhr

05.11. 10.00-18.00 Uhr

07.11. 10.00-18.00 Uhr

08.11. 10.00-18.00 Uhr

09.11. 10.00-18.00 Uhr

10.11. 10.00-18.00 Uhr

11.11. 10.00-18.00 Uhr

Münchner Stadtmuseum

 

Eintritt € 7,00 | Ermäßigt € 3,50

 

Uraufführung | Künstlergespräch am 29.10. um 15 Uhr im Münchner Stadtmuseum | Die Audio-Guides sind während der Öffnungszeiten des Münchner Stadtmuseums jederzeit kostenlos verfügbar. Der Eintrittspreis fürs Museum ist vor Ort zu bezahlen.

 

Deutsch oder Englisch

WHISPERING BODIES wird nach Ende des SPIELART Festivals fortgeführt. Die Audio-Guides sind weiterhin zu den Öffnungszeiten im Münchner Stadtmuseum verfügbar.

Für WHISPERING BODIES, erster Teil von AUDIOREFLEX MÜNCHEN – SÃO PAULO, dessen zweite Hälfte 2018 in Brasilien stattfinden wird, stellen drei Künstler*innen aus beiden Städten in Audio-Guides persönliche und politische Bezüge zu den Ausstellungsstücken des Münchner Stadtmuseums her. Alejandro Ahmeds Hörspaziergang enthält kleine choreografische Aufgaben zur Beobachtung des eigenen Körpers, Pulses, Atemrhythmus im Kontext der Museumsarchitektur. In ihrem Audio-Thriller bringt Suli Kurban die Vitrinen zu den NSU-Morden mit der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei zusammen. Die Puppen dort zeigen, wie »Fremde« als exotischer Gruselfaktor inszeniert werden – ähnliche Strategien finden sich in der Berichterstattung zum NSU mit ihrer kriminalisierenden Zurschaustellung der Opfer. José Fernando de Azevedo beschäftigt sich mit Flucht und Angst und führt hierzu durch die Ausstellung »Nationalsozialismus in München«. Durch das fürs Museum unübliche Format der Hör-Performances werden neue Möglichkeiten eröffnet, die Ausstellungen auf spielerische und doch kritische Art zu erfahren.


CHOREOGRAFISCHE ANLEITUNG ZUM NICHTVERGESSEN

von Alejandro Ahmed
Sprecherin Jelena Kuljic

Alejandro Ahmeds Hörspaziergang durch die Dauerausstellung „Typisch München!“ lenkt die Aufmerksamkeit darauf, den eigenen Körper im Kontext der Ausstellungsarchitektur und den Exponaten zu beobachten. Suggestiv bringt er die Zuhörer*innen zur Beobachtung des eigenen Körpers, um sie dann plötzlich mit den Worten eines Abwesenden zu konfrontieren: „Ich komme von irgendwoher aus dem Süden“. Angesichts der Skulpturen und Objekte des Museums werden die Zuhörer*innen in Assoziationsketten zur persönlichen Erinnerung herausgefordert: an Verzauberung und Abschied, an die Namen Geliebter und die Namen Getäuschter. Und immer wieder mischt sich der Abwesende von westlich des Atlantischen Ozeans ein.

Das Hörstück beginnt im Foyer des Münchner Stadtmuseums direkt vor der Ausstellung „Typisch München!“. Bitte geben Sie die Nummer 701 auf der Tastatur des Audioguides ein und drücken anschließend auf die Play-Taste.





TRAUMINHALT. MANIFEST

von José Fernando Peixoto de Azevedo
Sprecher Santiago Blaum 

José Fernando Peixoto de Azevedo  führt uns durch die Ausstellung „Nationalsozialismus in München“. Anhand der berühmten „Rede über den Kolonialismus“ von Aimé Césaire (1950/55) lädt er zu einem inneren Dialog über die These ein, dass der Nationalsozialismus erstmals koloniale Praktiken zur Ausübung von Herrschaft direkt in Europa eingesetzt habe. Ausgehend von der Ausstellung, die das nationalsozialistische Terror-Regime in München lokalisiert und historisiert, öffnet er den Blick weiter in die Vergangenheit, stellt Bezüge her zu den Kolonisatoren, die die Indigenen im eigenen Land zu Geflüchteten machten.

Bitte nehmen Sie Ihr Mobiltelefon mit Kamera mit. Das Hörstück beginnt im Foyer des Münchner Stadtmuseums. Die Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss in einem Seitenflügel, der über den Innenhof erreichbar ist. Bitte geben Sie die Nummer 711 auf der Tastatur des Audioguides ein und drücken anschließend auf die Play-Taste.



WHAT I SEE?

von Suli Kurban
Sprecherin Suli Kurban
Sprecher Text Kasperl Bernd Blaschke
Beratung
Christine Umpfenbach, Tunay Önder


Suli Kurban verbindet in ihrem Audio-Thriller die Präsentation der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei mit der Mord- und Anschlagsserie des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Mit dem Hörspiel verdeutlicht sich, dass die ausgestellten Puppen das Ungewöhnliche und „Fremde“ darstellen und als exotische und mitunter gefährliche Gruselfaktoren inszeniert werden. In der Berichterstattung über den „Nationalsozialistischen Untergrund“ wurden die Opfer und ihre Angehörigen in vergleichbarer Weise zur Schau gestellt; sie wurden bis 2011 ausschließlich als Kriminelle verdächtigt.

Das Hörstück beginnt im Foyer des Münchner Stadtmuseums; im Verlauf des Stückes werden Sie durch verschiedene Stockwerke und Ausstellungen des Hauses geführt. Bitte geben Sie die Nummer 721 auf der Tastatur des Audioguides ein und drücken anschließend auf die Play-Taste.

Veranstaltungshinweis:
Bei CROSSING OCEANS nimmt Suli Kurban an der Panel-Diskussion BETWEEN IDENTITY POLITICS AND THE DISCUSSION OF A »DEFINING CULTURE« teil.



 

LESEN SIE MEHR:
Besetzung
Künstlerische Gestaltung Alejandro Ahmed, José Fernando de Azevedo, und Suli Kurban
Idee  Sigrid Gareis

 

Biografie
Alejandro Ahmed ist der Choreograph, Künstlerische Leiter und Tänzer des Grupo Cena 11 Cia. de Dança. Mit Cena 11 hat Ahmed die Tanztechnik der physical perception entwickelt, bei der der Fokus auf einen spezifischen Körper liegt, der somit die Ideen der Bewegungen am besten entwicken kann. Gegenwärtig konzentriert er sich auf Korrelation von Emergence-Coherence-Ritual. Zuletzt erarbeitete er SOBRE EXPECTATIVAS E PROMESSAS, das beim Rumos Dança Itaú Cultural ausgewählt wurde und choreographierte die Oper ORFEU E EURIDICE in Zusammearbeit mit dem Regisseur Antônio Araújo.

José Fernando de Azevedo ist Professor, Kurator, Theaterautor und Regisseur. Er studierte Kino- und Filmkunst an der FAAP, sowie Philosophie an der Universidade de São Paulo und erhielt 2007 seinen Doktortitel. Er ist Professor am Institut für Kunst und Kommunikation der Universidade de São Paulo und konzentriert seine Arbeit auf das brasilianische Theater. Er war Kurator des Festival Internacional de Teatro de São José de Rio Preto, des International Theater Meeting Próximo Ato und der Förderprogramms Rumos Teatro. Er ist Mitgründer der Gruppe Teatro dos Narradores und kollaboriert mit Ordinária Companhia and Os Crespos, einer Gruppe, die sich mit Rassismus auseinandersetzt.

Die Filmregisseurin und Journalistin Suli Kurban kam 1999 mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie war eine der Hauptdarsteller*innen in DRAUSSEN BLEIBEN (2005), ein Dokumentarfilm über die Situation ausgeschlossener Jugend in München und 2008 war sie Teil von FLUCHTEN 1-4 an den Münchner Kammerspielen. Für einen Beitrag bei On3Radio wurde ihr 2008 der CIVIS Medienpreis verliehen und sie ist Stipendiatin der Vodafon Stiftung seit 2011. Suli Kurban war 2014 Rednerin bei TEDxMunich „At Second Glance“. Für ihren letzten Film, DER LÖWE VON NEUPERLACH, wurde sie mit dem Medienpreis des International Press Club Munich ausgezeichnet.

 

Produktion und Realisierung
Produktion SPIELART Festival München in Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtmuseum, Museu da Imigração do Estado de São Paulo, Goethe Institut São Paulo und MITsp – Mostra Internacional de Teatro de São Paulo Festival Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Artist-in-Residence-Programm im Ebenböckhaus, sowie dem Goethe-Institut.


AUDIOREFLEX MÜNCHEN – SÃO PAULO
Teil 1 ab 29. Oktober 2017 beim SPIELART Festival in München
Teil 2 Anfang März 2018 in São Paulo

AUDIOREFLEX MÜNCHEN – SÃO PAULO ist ein performatives Projekt zu Migration in Deutschland und Brasilien. Nach zwei Laborphasen in München und São Paulo werden im ersten Teil Whispering Bodies (ab 29. Oktober 2017) beim SPIELART Festival München die drei Künstler*innen Alejandro Ahmed, José Fernando de Azevedo und Suli Kurban aus Florianopolis, São Paulo und München in Audio-Guides persönliche und politische Bezüge zu den Ausstellungsstücken des Münchner Stadtmuseums herstellen.

Der zweite Teil findet, produziert vom Goethe Institut São Paulo, Anfang März 2018 im Rahmen des Festivals MITsp – Mostra Internacional de Teatro de São Paulo statt. Ariel Efraim Ashbel, Claudia Bosse  und Rita Natálio aus Berlin, Wien und São Paulo werden künstlerische Audio-Guides für das Museu da Imigração do Estado de São Paulo entwickeln und sich in das Ausstellungsdisplay der Geschichte der Anwerbung und Migration europäischer Arbeiter nach Ende der Sklaverei in Brasilien (1888) einschreiben – dabei die historische „Willkommenskultur“ dieser Epoche kritisch hinterfragen.
Der israelische in Berlin lebende Regisseur und Performer Ariel Efraim Ashbel wird in seinem Projekt ein besonderes Augenmerk auf die Migration nicht-weißer Körpern richten, die er in der bestehenden Dauerausstellung des Museums noch nicht genügend repräsentiert findet. Hierzu will er Interviews mit Mitarbeiter*innen des Museums führen und seine künstlerische Intervention konkret innerhalb des bereits bestehenden Audio-Guide des Museums entwickeln. Im Garten des Museums möchte die in Wien lebende deutsche Regisseurin Claudia Bosse eine dokumentarische wie fiktive Erzählpromenade durch das Außengelände des Museums realisieren. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen werden für sie die Bäume im Garten des Museums zu künstlerischen Zeitzeugen der Migrationsgeschichte und damit zu Protagonisten einer alternativen Erzählung der Migrationsgeschichte an diesem Ort.
Auch die in Portugal und Brasilien lebende Choregrafin Rita Natálio interessiert die nicht-europäische Perspektive: Ergänzend zur Dominanz der europäischen Migration in der musealen Präsentation möchte sie aktuelle Migrationsbewegungen und Vertreibungen und deren politische Hintergründe bei einem Audiospaziergang reflektieren, der ausgehend vom Museu da Imigração do Estado de São Paulo zu aktuellen Zentren der Migration in der Stadt São Paulo führt.